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Zahnfleischbehandlung: Von Prophylaxe bis Parodontalchirurgie

Von der professionellen Zahnreinigung bis zur Parodontalchirurgie – wie Zahnfleischerkrankungen behandelt werden.

Smyvia Team · 7 Min. · 25.11.2025
Zahnfleischbehandlung: Von Prophylaxe bis Parodontalchirurgie

Zahnfleischerkrankungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Laut der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) weist mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland Anzeichen einer Parodontitis auf. Die Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten reicht von präventiven Maßnahmen über konservative Therapie bis hin zu chirurgischen Eingriffen – je nach Schweregrad und individuellem Krankheitsverlauf.

Gesundes Zahnfleisch erkennen

Gesundes Zahnfleisch hat eine blassrosa Farbe, liegt straff am Zahn an und blutet nicht bei Berührung oder beim Zähneputzen. Die sogenannte Sondierungstiefe – der Abstand zwischen Zahnfleischrand und dem Boden der Zahnfleischtasche – beträgt bei gesunden Verhältnissen ein bis drei Millimeter.

Erste Warnzeichen für eine Zahnfleischerkrankung sind:

  • Zahnfleischbluten beim Putzen oder bei Berührung
  • Rötung und Schwellung des Zahnfleischs
  • Mundgeruch trotz guter Mundhygiene
  • Zurückweichen des Zahnfleischs (Rezessionen)
  • Lockerung von Zähnen in fortgeschrittenen Stadien

Von der Gingivitis zur Parodontitis

Gingivitis

Eine Gingivitis ist eine Entzündung des Zahnfleischs, die durch bakteriellen Zahnbelag (Plaque) verursacht wird. Sie betrifft ausschließlich das Weichgewebe und führt nicht zu einem Abbau des Zahnhalteapparats. Eine Gingivitis ist bei konsequenter Plaquekontrolle vollständig reversibel.

Parodontitis

Bleibt eine Gingivitis unbehandelt, kann sie bei entsprechender individueller Anfälligkeit in eine Parodontitis übergehen. Bei der Parodontitis greift die Entzündung auf den gesamten Zahnhalteapparat über – einschließlich des Kieferknochens. Der resultierende Knochenabbau ist irreversibel und kann unbehandelt zum Zahnverlust führen.

Die Klassifikation der Parodontitis erfolgt nach dem System der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) anhand von Stadien (I bis IV, nach Schweregrad) und Graden (A bis C, nach Progressionsgeschwindigkeit).

Prophylaxe: Die erste Verteidigungslinie

Häusliche Mundhygiene

Die Grundlage jeder Zahnfleischgesundheit ist die tägliche mechanische Plaquekontrolle. Dazu gehören das Zähneputzen mindestens zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta sowie die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide. Interdentalbürsten sind in ihrer Reinigungswirkung der Zahnseide bei bestehenden Zahnzwischenräumen nachweislich überlegen.

Professionelle Zahnreinigung (PZR)

Die PZR ist eine ergänzende Maßnahme, bei der harte und weiche Beläge auch an schwer zugänglichen Stellen entfernt werden. Sie umfasst in der Regel die Entfernung von Zahnstein und Belägen mit Ultraschall- und Handinstrumenten, die Politur der Zahnoberflächen, die Reinigung der Zahnzwischenräume sowie eine Fluoridierung und individuelle Mundhygieneberatung.

Die PZR ist keine Kassenleistung und wird als Privatleistung abgerechnet. Die Kosten liegen je nach Aufwand zwischen 80 und 150 Euro.

Konservative Parodontitistherapie

Systematische Parodontalbehandlung

Seit Juli 2021 haben gesetzlich Versicherte in Deutschland Anspruch auf eine strukturierte Parodontitistherapie. Der Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen:

Befunderhebung und Antrag: Zunächst wird ein Parodontalstatus erhoben, der Sondierungstiefen, Blutung beim Sondieren, Zahnlockerungsgrade und Furkationsbefunde umfasst. Auf Basis dieses Befunds wird ein Behandlungsantrag bei der Krankenkasse gestellt.

Antiinfektiöse Therapie (AIT): Das Kernstück der Behandlung besteht im subgingivalen Debridement – der mechanischen Reinigung der Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischrands. Dabei werden bakterielle Beläge und Konkremente mit Küretten, Ultraschallinstrumenten oder einer Kombination beider Verfahren entfernt. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung.

Reevaluation: Etwa drei bis sechs Monate nach der antiinfektiösen Therapie wird der Behandlungserfolg überprüft. Es werden erneut Sondierungstiefen gemessen und der Entzündungszustand beurteilt.

Unterstützende Parodontitistherapie (UPT): Die Nachsorge umfasst regelmäßige professionelle Reinigungen und Kontrollen über einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren. Ohne konsequente Nachsorge besteht ein hohes Rezidivrisiko.

Chirurgische Parodontitistherapie

Wenn nach der konservativen Therapie Resttaschen von sechs Millimetern oder mehr bestehen bleiben, kann ein chirurgisches Vorgehen indiziert sein.

Zugangslappen-Operation

Bei dieser Technik wird das Zahnfleisch aufgeklappt, um die Wurzeloberflächen unter direkter Sicht reinigen zu können. Gleichzeitig können entzündliches Granulationsgewebe und Konkremente entfernt werden, die bei der geschlossenen Behandlung nicht erreichbar waren.

Regenerative Verfahren

In bestimmten Defektkonfigurationen – insbesondere bei vertikalen Knochendefekten – kann versucht werden, den verlorenen Knochen teilweise zu regenerieren. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, darunter Schmelz-Matrix-Proteine, Knochenersatzmaterialien und gesteuerte Geweberegeneration mit Membranen.

Resektive Verfahren

Bei fortgeschrittenem Knochenabbau im Bereich mehrwurzeliger Zähne (Furkationsbefall) können resektive Maßnahmen wie Tunnelierung, Wurzelamputation oder Hemisektion in Betracht gezogen werden.

Zahnfleischrezessionen behandeln

Zahnfleischrückgang kann auch ohne Parodontitis auftreten – etwa durch falsche Putztechnik, dünnen Biotyp oder kieferorthopädische Zahnbewegungen. Deckungsoperationen mittels Bindegewebstransplantat oder Verschiebelappen können freiliegende Wurzeloberflächen teilweise oder vollständig abdecken. Der Erfolg hängt wesentlich von der Defektmorphologie und der Durchblutungssituation ab.

Fazit

Zahnfleischerkrankungen sind behandelbar – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig erkannt und systematisch therapiert. Die Prophylaxe bildet das Fundament, die konservative Therapie das Kernstück und chirurgische Maßnahmen die Ergänzung bei fortgeschrittenen Befunden. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die konsequente Nachsorge in enger Zusammenarbeit zwischen Patient und zahnmedizinischem Team.

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