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Parodontitis und Implantate: Was vorher behandelt werden muss

Warum Parodontitis vor einer Implantation behandelt werden muss und wie die Vorbehandlung abläuft.

Smyvia Team · 6 Min. · 25.11.2025
Parodontitis und Implantate: Was vorher behandelt werden muss

Parodontitis – die chronische Entzündung des Zahnhalteapparats – gehört zu den häufigsten Erkrankungen in der Zahnmedizin und ist zugleich die Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter. Wenn Zähne durch Parodontitis verloren gehen und durch Implantate ersetzt werden sollen, steht eine zentrale Frage im Raum: Können Implantate in einen Kiefer gesetzt werden, in dem Parodontitis besteht oder bestanden hat? Die Antwort ist differenziert – und die Vorbehandlung spielt eine entscheidende Rolle.

Was ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine bakteriell bedingte, entzündliche Erkrankung, die den Zahnhalteapparat – bestehend aus Zahnfleisch, Wurzelhaut, Wurzelzement und Alveolarknochen – fortschreitend zerstört. Die Erkrankung beginnt in der Regel als Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und kann sich bei fehlender Behandlung zu einer Parodontitis weiterentwickeln.

Charakteristische Merkmale sind:

  • Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von mehr als 3,5 Millimetern
  • Knochenabbau um die betroffenen Zähne
  • Zahnlockerung bis hin zum Zahnverlust
  • Zahnfleischbluten, Rötung und Schwellung
  • In fortgeschrittenen Stadien: Eiterbildung und Mundgeruch

Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) zeigt, dass über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland von einer moderaten bis schweren Parodontitis betroffen ist. Die Erkrankung verläuft oft über Jahre schmerzarm, weshalb sie häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird.

Warum Parodontitis vor einer Implantation behandelt werden muss

Eine unbehandelte Parodontitis stellt eine Kontraindikation für die Implantation dar – aus mehreren Gründen:

Bakterielle Belastung

Bei aktiver Parodontitis befinden sich pathogene Bakterien in erhöhter Konzentration in der Mundhöhle. Diese Keime können das frisch gesetzte Implantat besiedeln und eine Entzündung des periimplantären Gewebes auslösen. Die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten Periimplantitis – der „Parodontitis am Implantat" – steigt dadurch erheblich.

Knochenqualität

Parodontitis führt zu einem fortschreitenden Abbau des Alveolarknochens. Implantate benötigen jedoch ein ausreichendes und gesundes Knochenlager, um stabil einheilen zu können. Ein durch Parodontitis geschwächter Knochen bietet unter Umständen nicht genügend Volumen oder Qualität für eine erfolgreiche Osseointegration.

Weichgewebssituation

Neben dem Knochen ist auch das umgebende Weichgewebe – das Zahnfleisch – von Bedeutung. Entzündetes, geschwollenes Zahnfleisch bietet keine gute Ausgangsbasis für die Implantation. Ein stabiles, entzündungsfreies Weichgewebe ist für die langfristige Gesundheit des Implantats wichtig.

Die Parodontitistherapie als Voraussetzung

Die systematische Parodontitistherapie folgt einem mehrstufigen Konzept:

Stufe 1: Ursachenbezogene Therapie

In der ersten Phase werden die Ursachen der Erkrankung adressiert:

  • Professionelle Zahnreinigung: Entfernung von Zahnstein und bakteriellem Biofilm
  • Mundhygieneinstruktion: Anleitung zur verbesserten häuslichen Zahnpflege
  • Risikofaktorenmanagement: Beratung zu Rauchstopp, Diabeteseinstellung und weiteren beeinflussbaren Risikofaktoren

Stufe 2: Subgingivale Instrumentierung

Die eigentliche Parodontitisbehandlung umfasst die gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen unterhalb des Zahnfleischrands. Dies geschieht mit speziellen Hand- und Ultraschallinstrumenten (Scaling und Root Planing). Ziel ist die Entfernung des subgingivalen Biofilms und der bakteriell besiedelten Konkremente von den Wurzeloberflächen.

Bei schwerer Parodontitis kann eine begleitende Antibiotikatherapie indiziert sein, typischerweise als Kombination aus Amoxicillin und Metronidazol.

Stufe 3: Reevaluation

Sechs bis acht Wochen nach der subgingivalen Instrumentierung erfolgt eine erneute Befunderhebung. Dabei wird geprüft, ob die Taschentiefen ausreichend reduziert wurden und die Entzündungszeichen zurückgegangen sind. Resttaschen mit einer Tiefe von mehr als 5 Millimetern können chirurgisch behandelt werden.

Stufe 4: Erhaltungstherapie (UPT)

Die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) bildet die langfristige Nachsorge. In regelmäßigen Abständen – typischerweise alle drei bis sechs Monate – werden die Zahnfleischtaschen kontrolliert und professionell gereinigt. Diese Phase ist entscheidend für die Stabilisierung des Behandlungsergebnisses und sollte vor, während und nach einer Implantation konsequent fortgeführt werden.

Das Risiko der Periimplantitis

Patienten mit einer Parodontitis in der Vorgeschichte tragen ein erhöhtes Risiko für Periimplantitis – eine entzündliche Erkrankung des Gewebes um das Implantat. Studien zeigen, dass das Periimplantitis-Risiko bei Patienten mit Parodontitisanamnese etwa zwei- bis dreifach erhöht ist.

Periimplantitis äußert sich durch:

  • Entzündung und Blutung des periimplantären Zahnfleischs (Mukositis)
  • Knochenabbau um das Implantat
  • Taschenbildung am Implantat
  • Im Endstadium: Lockerung und Verlust des Implantats

Die Behandlung einer Periimplantitis ist deutlich aufwendiger als die Therapie einer Parodontitis am natürlichen Zahn, da die strukturierte Implantatoberfläche schwerer zu reinigen ist als eine natürliche Zahnwurzel.

Wann kann implantiert werden?

Die Implantation sollte erst erfolgen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Die aktive Parodontitis ist behandelt und der Befund stabil
  • Die Zahnfleischtaschen weisen keine akuten Entzündungszeichen auf
  • Der Patient zeigt eine ausreichende Mundhygiene
  • Ein individuelles Nachsorgekonzept ist etabliert
  • Gegebenenfalls notwendiger Knochenaufbau ist abgeschlossen und eingeheilt

Der zeitliche Abstand zwischen dem Abschluss der Parodontitistherapie und der Implantation beträgt in der Regel mehrere Monate, um die Ausheilung des Gewebes zu gewährleisten.

Fazit

Parodontitis und Implantate schließen sich nicht grundsätzlich aus – eine erfolgreiche Implantation bei Parodontitis-Patienten ist möglich und durch zahlreiche Studien belegt. Voraussetzung ist jedoch eine konsequente Vorbehandlung der Parodontitis, die Stabilisierung des Zahnhalteapparats und die Etablierung einer langfristigen Nachsorge. Patienten mit Parodontitisanamnese sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie ein erhöhtes Risiko für Periimplantitis tragen und daher eine besonders engmaschige Betreuung benötigen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Behandler ist für den Langzeiterfolg unerlässlich.

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