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All-on-4 vs. All-on-6: Welches Konzept passt zu Ihnen?

Vergleich der All-on-4- und All-on-6-Konzepte – Indikation, Vorteile, Kosten und für wen welches Verfahren geeignet ist.

Smyvia Team · 7 Min. · 25.11.2025
All-on-4 vs. All-on-6: Welches Konzept passt zu Ihnen?

Wenn ein Kiefer vollständig zahnlos ist oder die verbliebenen Zähne nicht mehr erhaltungswürdig sind, stehen Patienten vor einer grundlegenden Entscheidung: herausnehmbarer Zahnersatz oder eine festsitzende Versorgung auf Implantaten. Die Konzepte All-on-4 und All-on-6 ermöglichen festsitzenden Zahnersatz für einen gesamten Kiefer – unterscheiden sich jedoch in Aufbau, Indikation und Anforderungen an den Kieferknochen.

Das All-on-4-Konzept

Das All-on-4-Verfahren wurde maßgeblich von dem portugiesischen Implantologen Paulo Maló entwickelt und seit den frühen 2000er-Jahren klinisch erprobt. Das Grundprinzip: Eine festsitzende Brücke für einen vollständigen Kiefer wird auf lediglich vier Implantaten verankert.

Die Besonderheit liegt in der Positionierung der Implantate. Während die beiden vorderen Implantate vertikal gesetzt werden, werden die beiden hinteren Implantate in einem Winkel von bis zu 45 Grad geneigt eingebracht. Diese Angulation bietet mehrere Vorteile:

  • Nutzung des vorhandenen Knochens: Durch die Schrägstellung können längere Implantate verwendet werden, auch wenn der Knochen im hinteren Kieferbereich bereits zurückgegangen ist
  • Vermeidung von Knochenaufbau: In vielen Fällen kann auf einen aufwendigen Sinuslift oder andere Augmentationsmaßnahmen verzichtet werden
  • Sofortbelastung: Das Konzept sieht in der Regel eine provisorische Sofortversorgung am Tag des Eingriffs vor

Für wen eignet sich All-on-4?

Das All-on-4-Konzept kommt insbesondere für Patienten in Betracht, die einen vollständig zahnlosen Kiefer haben oder bei denen die Restbezahnung entfernt werden muss. Es eignet sich besonders, wenn im seitlichen Kieferbereich bereits ein Knochenabbau vorliegt, der einen Knochenaufbau erforderlich machen würde. Durch die geneigte Implantatpositionierung kann dieser in vielen Fällen umgangen werden.

Das All-on-6-Konzept

Das All-on-6-Verfahren folgt dem gleichen Grundgedanken, verwendet jedoch sechs statt vier Implantate zur Verankerung der Brücke. Die zusätzlichen zwei Implantate werden in der Regel im seitlichen Kieferbereich platziert und ermöglichen eine breitere Abstützung der prothetischen Konstruktion.

Vorteile gegenüber All-on-4

  • Bessere Lastverteilung: Sechs Implantate verteilen die Kaukräfte auf mehr Pfeiler, was die Belastung pro Implantat reduziert
  • Höhere Stabilität: Die breitere Abstützungsbasis kann die mechanische Stabilität der Versorgung verbessern
  • Größere Sicherheit: Sollte ein Implantat nicht einheilen, kann die Versorgung unter Umständen auf den verbleibenden fünf Implantaten weiterhin funktionieren

Voraussetzungen

Das All-on-6-Konzept setzt in der Regel ein ausreichendes Knochenangebot auch im seitlichen Kieferbereich voraus. Ist dort nicht genügend Knochen vorhanden, kann ein Knochenaufbau notwendig werden – was die Behandlungsdauer und die Kosten erhöht.

Direkter Vergleich

Kriterium All-on-4 All-on-6
Anzahl Implantate 4 6
Knochenaufbau erforderlich Seltener Häufiger
Lastverteilung Auf 4 Pfeiler Auf 6 Pfeiler
Sofortversorgung In der Regel möglich In der Regel möglich
Behandlungsdauer Kürzer Tendenziell länger
Kosten Niedriger Höher
Langzeitdaten Umfangreich (seit ca. 2003) Vorhanden, aber weniger umfangreich

Knochenangebot als entscheidender Faktor

Die Wahl zwischen beiden Konzepten hängt wesentlich vom individuellen Knochenangebot ab. Eine gründliche Diagnostik mittels dreidimensionaler Bildgebung (DVT/CBCT) ist daher unerlässlich. Der Behandler beurteilt dabei:

  • Die Knochenhöhe und -breite in den geplanten Implantatpositionen
  • Die Knochendichte, die für die Primärstabilität der Implantate entscheidend ist
  • Die Lage anatomischer Strukturen wie des Nervus alveolaris inferior oder der Kieferhöhle
  • Ob und in welchem Umfang ein Knochenaufbau erforderlich wäre

Bei stark reduziertem Knochenangebot kann das All-on-4-Konzept mit seinen geneigten Implantaten die bessere Option sein, da es den vorhandenen Knochen optimal nutzt. Bei ausreichendem Knochenangebot bietet All-on-6 durch die zusätzlichen Implantate eine breitere Abstützung.

Kosten und wirtschaftliche Aspekte

Die Kosten für beide Verfahren variieren erheblich je nach Region, Klinik und verwendeten Materialien. In Deutschland liegen die Gesamtkosten für eine All-on-4-Versorgung eines Kiefers typischerweise zwischen 10.000 und 18.000 Euro, für All-on-6 zwischen 14.000 und 24.000 Euro. Diese Angaben sind Richtwerte und umfassen Implantate, chirurgischen Eingriff und prothetische Versorgung.

In spezialisierten Kliniken im EU-Ausland – etwa in Ungarn – können die Kosten für vergleichbare Behandlungen deutlich niedriger liegen. Gesetzlich Versicherte haben auch bei Auslandsbehandlungen Anspruch auf den Festzuschuss ihrer Krankenkasse, sofern ein genehmigter Heil- und Kostenplan vorliegt.

Langzeitergebnisse und Studienlage

Für das All-on-4-Konzept liegen mittlerweile Langzeitstudien über mehr als 15 Jahre vor. Die kumulative Überlebensrate der Implantate liegt in den meisten Studien über 95 Prozent. Für All-on-6 sind die verfügbaren Daten weniger umfangreich, die berichteten Ergebnisse sind jedoch vergleichbar positiv.

Entscheidend für den Langzeiterfolg beider Konzepte sind:

  • Eine präzise Planung und chirurgische Umsetzung
  • Die Qualität der prothetischen Versorgung
  • Eine konsequente Nachsorge mit regelmäßigen Kontrollen
  • Eine gute Mundhygiene des Patienten

Fazit

Sowohl All-on-4 als auch All-on-6 sind wissenschaftlich fundierte Konzepte für die festsitzende Versorgung zahnloser Kiefer. Die Entscheidung zwischen beiden Verfahren sollte auf einer individuellen Diagnostik basieren und gemeinsam mit dem behandelnden Implantologen getroffen werden. Pauschale Aussagen zur Überlegenheit eines Konzepts sind nicht zielführend – vielmehr muss die Behandlung auf die anatomischen Gegebenheiten und die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt werden.

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